Lupe

Verdrängen Tablets die "alten" Medien?


22.06.2010, 13:10

So lautete die Fragestellung des 7. Mobile Monday, welcher Montag Abend im Wiener Kunsthistorischen Museum stattfand: eine Vortragsreihe mit anschließender Diskussionsrunde, bestehend aus Medienmachern, Bloggern und Universitätslektoren. Diskutiert wurde, ob traditionelle Medien aufgrund neuer Devices zunehmend verdrängt werden.

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Schaffen E-Book-Reader und Tablets den Durchbruch?

Schon im Herbst 2009 brachte Amazon mit dem E-Book Kindle ein Gerät auf den Markt, mit dem auf elektronischem Wege Bücher gelesen werden können. Die dazugehörigen Inhalte gibt es auf Amazon zu kaufen.

Wenig später wurde gemunkelt, dass Apple womöglich ebenfalls ein Tablet herausbringen werde. Aber noch vor dem tatsächlichen Erscheinen des iPads stellte Samsung bereits im Februar im Austria Center in Wien insgesamt acht (!) E-Book-Reader vor. Andere Hersteller sollten folgen. Aufgrund des breiten Angebotes somit beste Voraussetzungen für Lesefreudige, Content zukünftig nur noch elektronisch zu konsumieren?

Der Unterschied zwischen E-Book und Tablet

E-Books zeichnen sich meist durch ein monochromes Display aus, die Fähigkeit, eine Internetverbindung herzustellen, ist ihnen fremd. Demzufolge ist ihnen auch der Zugang zu Applikationswelten verwehrt.

Bei Tablets driften die gebräuchlichen Definitionen etwas auseinander. Spricht man von einem Tablet, wird im ersten Moment an das iPad von Apple gedacht, wohl auch aufgrund des entstandenen Hypes. Doch eigentlich existiert der Begriff schon länger. Ursprünglich kommt er aus der kreativen Szene, wo anstatt einer Maus ein Grafik-Tablet eingesetzt wurde. Etwas später kamen die ersten Laptops mit Touchscreen auf den Markt, allen voran Microsoft mit einem Produkt, das an geringer Marktakzeptanz (und wohl auch der etwas umständlichen Bedienung) scheiterte. Wie Dr. Martin Zimper, Leiter der Studienvertiefung „Cast“ aus Zürich, am Mobile Monday feststellte, handelt es sich hierbei bloß um einen Laptop mit einem anderen Eingabeformat.

Nur ein Hype?

Erst mit dem iPad hat sich ein Hype um das Tablet-Segment entwickeln. Zum einen stehen dem User die Anwendungen aus dem App-Store zur Verfügung, sodass es auch für Spiele und diverse Anwendungen genutzt werden kann, zum anderen besitzt das iPad Größe und Gewicht, um es auch auf Reisen mitzunehmen. Akkulaufzeiten von bis zu einem Monat im Standby- sowie zehn Stunden im Dauerbetrieb sprechen ebenso eher für ein Tablet als für ein Smartphone.

Naheliegend ist demzufolge die zentrale Fragestellung, die am Mobile Monday erörtert werden sollte: Wird durch neue Devices die Medienlandschaft verändert und, wenn ja, wie?

Lean-Prinzip – Information muss verfügbar sein

Klement Cabana, Berater bei Point of Origin, brachte es auf den Punkt: „Der Medienkonsum wird sich dahingehend ändern, dass Information dann und in dem Ausmaß verfügbar sein müssen, wenn sie benötigt wird, und dort, wo sie benötigt wird.“ Mit einem Tablet kann diesem Trend Rechnung gezollt werden, traditionelle Printmedien können das schon aus zweierlei Gründen nicht: Zum einen sind die Informationen, bis sie zum Leser gelangen, schon veraltet. Zweitens kann eine Zeitung, so groß und umfangreich diese auch sein mag, niemals das gesamte Interessensspektrum abbilden.

Abbildung des Interessenspektrums

Helmut Hoffer von Ankershoffen, CEO bei Neofonie (Deutschland), stimmte dem zu und ging in seiner Annahme sogar so weit, dass traditionelle Verlage nur dann eine Überlebenschance hätten, wenn diese den Content an Google weiter verkaufen (Google plant dies soeben) oder sich die Verlage zusammenschließen, um im Kollektiv Inhalte gegen Bezahlung anzubieten. Denn bei einer Zeitung, so seine Annahme, interessiert sich der Nutzer lediglich für zwei Zehntel des Inhaltes, der Rest ist für den Leser uninteressant und somit umsonst gekauft.

Selbstverständlich geht mit einem Paradigmenwechsel beim Medienkonsum in Richtung Bezahlt-Content auch die Pluralität verloren. Weniger „attraktive“ Inhalte werden, weil zu wenig gewinnträchtig, gar nicht erst produziert. Und ist es nicht gerade das Reizvolle an einer Tageszeitung, dass sich dem Leser Themen, die man aktiv gar nicht ansteuern würde, präsentieren und diese zum Lesen, vielleicht sogar zum Weiterlesen, verleiten?

Offener Diskurs

Mag. Peter Krotky, Director und Chief Editor von „Die Presse“ Digital, konstatierte, dass es aufgrund der Weiterentwicklung und Vergrößerung der schreibenden Zunft durch Blogger für Tageszeitungen schwieriger werden wird, an Leser zu kommen. Wichtig sei es aber für die Zukunft des Journalismus, professionelle Journalisten zu halten, da sonst einzelne Disziplinen wie etwa  Aufdeckungsjournalismus Gefahr laufen, verloren zu gehen: „Welcher Blogger - und der Großteil macht dies als Freizeitbeschäftigung, da daraus kein Geld zu lukrieren ist - kann sich schon die Zeit nehmen, um genauestens zu recherchieren?“

Trend zu bezahltem Content

Hoffer von Ankershoffen sieht die Zukunft in bezahltem Content. Eine spontan durchgeführte Abstimmung im Saal bestätigte, fünfzig Prozent aller Anwesenden wären bereit, für Content zu zahlen. Cabana machte deutlich: “Während man im Internet davon ausgeht, dass alles gratis zu haben ist, ist man seit der Einführung der Applikationsmärkte auf iPhone, Android und Co. bereit, auch etwas für die Inhalte zu zahlen, sofern sie einen Nutzen für den User bringen.“

Ob die traditionellen Zeitungen und Magazine nun ihrem traurigen Untergang entgegen sehen, wagen wir trotzdem zu bezweifeln. Schon Ende der Neunzigerjahre starteten Yahoo und andere Portale Dienste, in denen News der individuellen Interessenslage entsprechend angezeigt wurden. Warum sollten aufgrund eines neuen Trägermediums die traditionellen Printmedien untergehen? Es wird immer Leute geben, die eine Zeitung haptisch in der Hand haben möchten, meinte auch Georg Holzer, Gründer von Digirati, ungeachtet der Möglichkeiten, die iPad & Co bieten.

Ein Detail am Rande

Aufgrund des Erfolgs haben nun die e-Book-Reader Hersteller Barnes & Noble und Amazon gestern, wenige Wochen nach dem Verkaufsstart des iPad, ihre Preise von 259 US-Dollar auf bis zu 149 US-Dollar für das Nook-Book (Barnes & Noble) bzw. 199 US-Dollar für das Kindle gesenkt. Dies berichtete das „Wall Street Journal“ online in einem Bezahlt-Artikel! :)

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