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Schulterschluss: Mobilfunker planen offene Plattform für Applikationen!


19.02.2010, 13:41

Applikationen mausern sich zum großen Umsatzbringer. Findige Hersteller von Hard- und Software wie Apple, Google oder Nokia setzten als erste auf das große Geschäft mit den Mini-Programmen. Mittlerweile braut auch so mancher Mobilfunker sein eigenes „App-Süppchen“. Neu hingegen ist, dass eine Allianz von Netzbetreibern ein grenzüberschreitendes Schulterschluss-Projekt angekündigt hat: eine „Wholesale Applications Community“ soll ins Leben gerufen werden…

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Apples Geschäftsmodell ausschlaggebend

Die Betreiber haben die Nase voll und wollen nicht mehr auf ein Dasein als reine Datenlieferanten reduziert werden. Sie formieren sich und holen zum Gegenschlag aus. Der gemeinsame Feind hat einen Namen: Apple! Symbolhaft steht der iPhone-Hersteller für ein bestimmtes Geschäftskonzept, denn Apple hat sich die Sache folgendermaßen ausgedacht: Die Mobilfunkprovider sind dazu gut, die Apple’sche Hardware zu vertreiben und den Datentransport zu übernehmen. Am Download von Applikationen verdienen die Carrier hingegen nichts.

Das schmeckt wiederum den Betreibern nicht, denn diese sehen darin einen herben Gewinnentgang. Apple hingegen ist nicht gewillt, von seinem sehr lukrativen Geschäftsmodell abzurücken. Im Gegenteil: Wurde bisher von Apple-Seite den Vertragspartnern eines Landes zumindest Exklusivität hinsichtlich des Vertriebes zugesagt, zeigt das Beispiel Österreich, dass es auch anders geht: Mit Orange und T-Mobile gibt es gleich zwei Mobilfunker, über die der Konsument ein subventioniertes iPhone beziehen kann. Diese reiben einander auf und im sonnigen Kalifornien sitzt der lachende Dritte.

Auch andere Hersteller haben schöne Handys

Bisher nahmen die Provider diese Nachteile auch ohne zu Murren in Kauf, da es sich ja beim iPhone um ein „Must-Have“ handelt. Doch Zeiten ändern sich, und mit ihnen auch Sichtweisen und Schmerzgrenzen. Ebenso andere Hersteller bauen mittlerweile edle Touchscreener, die dem iPhone optisch und technisch um nichts nachstehen und auch von der Benutzerführung her sehr nahe an der von Apple vorgegebenen hohen Latte mit der intuitiv zu bedienenden Oberfläche dran sind, "HTC Sense" zum Beispiel.

Und mit Android, dem Betriebssystem von Internet-Mastermind Google, hat der Smartphone-Nutzer über den „Android Market“ ebenso Zugriff auf eine Vielzahl unterschiedlichster Applikationen. Und hierbei sind die Betreiber wenigstens umsatzbeteiligt.

Carrier aller Länder, vereinigt euch!

Doch nun werden die Mobilfunker aktiv. Sie wollen zukünftig in dieser Angelegenheit an einem gemeinsamen Strang ziehen und ein Gegengewicht zu den beiden Branchenleadern Apple und Google schaffen. Dies soll in Form einer gemeinsamen herstellerunabhängigen Schnittstelle für die Entwickler-Community geschehen.

Bekanntgegeben wurde diese Absicht am Mobile World Congress 2010 von einer Allianz aus folgenden Unternehmen: América Móvil, AT&T, Bharti Airtel, China Mobile, China Unicom, Deutsche Telekom, KT, mobilkom austria group, MTN Group, NTT DoCoMo, Orange Frankreich, Orascom Telecom, Softbank Mobile, Telecom Italia, Telefónica, Telenor Group, TeliaSonera, SingTel, SK Telecom, Sprint, Verizon Wireless, VimpelCom, Vodafone und Wind.


Wholesale App Community oder Alleingang?

Bei diesem „Who’s who“ der Mobilfunkbranche fehlt - und das überrascht ein wenig - T-Mobile. Der rosa Konzernriese startet mit März 2010, wie zu erfahren war, eine Offensive im Bereich Applikationen – einen unternehmenseigenen App-Store für T-Mobile-Kunden. 

Die österreichische Tochter von Hutchison, H3G Austria, betreibt bereits seit Dezember 2009 den unternehmenseigenen Application Store „3Apps“. Dieser umfasst aktuell über 200 verschiedene Applications in 14 Kategorien für 30 Handymodelle. Drei zeigt sich mit der kundenseitigen Akzeptanz sehr zufrieden und verweist auf über 10.000 Downloads in den ersten 6 Wochen.

TarifAgent fragte nach, wie den Drei zur angekündigten "Wholesale App Community" stehe: „Wir nehmen die neuesten Entwicklungen bezüglich Applications mit Interesse wahr. Sollte sich aus dieser Ankündigung etwas Konkreteres entwickeln, in dem wir ein Verbesserungspotential für unsere Kunden sehen, bringen wir uns gerne mit unserer Erfahrung in das Projekt ein. Bis auf weiteres setzt 3 auf das beliebte Service „3Apps“, so 3CEO Berthold Thoma gegenüber TarifAgent.

Im Zusammenhang mit der Absichtserklärung der Allianz wurde auch Orange Frankreich genannt. Ob die österreichische Tochter des ehemals französischen Staatsbetriebes France Télécom ebenso am kollektiven Applikations-Projekt teilhaben wird, ist noch unklar. Sollte es aber nicht nur einen Zusatznutzen für Kunden geben sondern auch ein entsprechendes Körberlgeld mit den Applikationen zu verdienen sein geht man davon aus dass dieses Geschäftsmodell auch für den österreichischen Markt umgesetzt wird.

Apps - der neue Nabel der Mobilfunkwelt?

Klar ist hingegen, dass sich der Applikationsmarkt in den nächsten Jahren zu einem wesentlichen Umsatzbringer in der Mobilfunkbranche entwickeln wird. Für das vergangene Jahr wurde der Umsatz mit etwa  4,2 Milliarden Dollar beziffert, wobei der Großteil davon auf das Konto von Apple ging. Viele Apps werden (noch) kostenlos angeboten und finanzieren sich beispielsweise über Werbung. Schätzungen, wie sich der aufstrebende Markt entwickeln wird, differieren stark. Gemein ist ihnen jedoch, dass sie von starken Zuwächsen ausgehen. Elf bis knapp 39 Milliarden Dollar werden bis Ende 2013 erwartet. Diese Aussichten dürften alle begeistern, und so konnten mit LG, Samsung und Sony Ericsson gleich drei renommierte Handy-Hersteller für das Projekt gewonnen werden.

Wann das vorgestellte Projekt zur Marktreife gelangen und für die Verbraucher zugänglich sein wird, ist derzeit noch unbekannt, noch ist alles Zukunftsmusik. Schließlich handelt es sich erst einmal um eine Ankündigung!

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