Lupe

"connect" als Experte für österreichische Tariflandschaft?


04.12.2009, 18:40

Das deutsche Fachmagazin "connect" hat versucht, den österreichischen Mobilfunkmarkt und seine Tarife unter die Lupe zu nehmen, um die günstigsten Angebote für verschiedene Nutzerprofile herauszufinden. Ganz geglückt ist der Versuch allerdings nicht, scheint es. Lesen Sie weiter…

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Mobilfunknews: Drei
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Pünktlich zum Wochenendebeginn ereilte uns vergangenen Freitag Nachmittag noch eine freudige Presseaussendung des Mobilfunkers 3 mit dem Titel „Connect bestätigt: 3 hat die günstigsten Tarife!“. "Aha", haben wir uns gedacht, "das ist ja interessant. Gibt es nun tatsächlich einen Betreiber, der unabhängig vom tatsächlichen Nutzerverhalten der Günstigste ist?"

TarifAgent - von jeher kritischer Betrachter von (Werbe-)Botschaften, die suggerieren möchten, das eine oder andere Angebot wäre das ultimative – hat, nomen est omen, den Wahrheitsgehalt auch dieser Message überprüft.

Günstigster Tarif für "Normaltelefonierer"?

Denn laut der Presseinformation von 3 hat das deutsche Fachmagazin "connect" herausgefunden, dass in Österreich besagter Mobilfunker für den „typischen Normaltelefonierer“ das günstigste Angebot bereit hält.

Ausgegangen ist die "connect"-Redaktion dabei von einem Handy-Nutzer, der monatlich

- 60 Minuten ins Festnetz sowie

- 120 Minuten in Handynetze telefoniert, zusätzlich

- 60 SMS versendet und

- 40 MB an Datenvolumen verbraucht.

„Dabei kamen die Tester zu einem eindeutigen Ergebnis: "3 hat mit 9 Euro für den Tarif MoreForYou M den günstigsten Tarif für Normaltelefonierer im Programm."

Miteinander verglichen wurden bei dieser Auswertung des Branchenriesen aus Deutschland die Haupttarife der großen Anbieter in Österreich, welche da wären: A1, T-Mobile Austria, Telering, Orange und Drei. Kleinere Anbieter und virtuelle Betreiber sowie Prepaid-Produkte wurden außen vor gelassen, ebenso Spezialtarife. Publiziert wurden die jeweils fünf besten Angebote.

Die Analyse der Analyse

„Ganz klar ein Fall für TarifAgent“, haben wir uns gedacht, den accurate-Tarifcheck mit den Nutzerangaben des fiktiven Handyfonierers gefüttert und festgestellt:
Bei diesem konkreten Nutzerprofil (und einer Aufteilung der 120 Sprachminuten zu gleichen Teilen in die einzelnen Handynetze) spuckt unsere Datenbank folgendes Ergebnis aus:

Der günstigste Tarif ist nicht von 3, sondern von T-Mobile und heißt "Call & Surf Easy" mit einer verminderten Grundgebühr von derzeit 4,50 EUR. Zusätzlich fallen noch 1,50 EUR an Sprachtelefoniegebühren an, woraus sich in Summe ein Betrag von 6 EUR, nicht 9 EUR ergibt.

Call & Surf Easy: Tarif beinhaltet 150 Min. zu allen Netzen sowie 150 Min. zu TMA & Box. Zeitlicher Horizont ist ausschlaggebend, wurde hier nicht berücksichtigt. ABER: Nachdem in diesem Rechenbeispiel von gleichmäßiger Verteilung auf alle Netze ausgegangen wird, überwiegen die Minuten ins TMA-Netz nicht und Sprachminuten werden gleichmäßig verteilt über die gesamte Rechnungsperiode gesehen. Bei dieser Annahme: 4,5 EUR GB + 1,5 EUR Telefonie.

Der von „connect“ als günstigstes Angebot angeführte Tarif findet sich bei uns erst an dritter Stelle. Denn 3 hat mit „MoreForYou S“ dank „Option for Free“ (in diesem Fall ein Gratis-SMS-Paket) noch eine günstigere Alternative im Portfolio. Dieses wurde von „connect“ - entgegen der Angabe, Zusatzpakete würden miteinbezogen - nicht berücksichtigt.

Zwar am zweiten Platz, aber um geschlagene 100 % teurer angeführt als es tatsächlich der Fall ist, rangiert bei „connect“ der derzeit günstigste Tarif Österreichs für dieses konkrete Nutzerprofil. 
Und die Patzer gehen weiter: Denn der „Gesponserte Basta“ von Telering, bei „connect“ als viertgünstigster Tarif gereiht, ist ein Jugendtarif und für Otto-Normalverbraucher erst gar nicht zu haben. 


Spannend wird es aber erst so richtig, wenn nicht nur die Angebote der Big Five in den Vergleich mit einbezogen werden, sondern alle gegenwärtig am Markt befindlichen. Aus dem Ranking „Der beste jedes Netzbetreibers“ geht hervor, dass die Produkte der sogenannten Discounter durchaus mit jenen von Drei und T-Mobile mithalten können. In trauter Zweisamkeit kommen zwei Discounter ebenfalls auf eine monatliche Handyrechnung von EUR 12,00: Die zu Orange gehörende Vertriebsmarke Yesss! mit dem „x-yesss!“ und zusätzlichem 400 MB Paket sowie A1-Bruder bob mit dem „Big Bob“ und einem 1 GB Datenpaket.


Ein Wort zum „typischen Normalverbraucher“

Uns liegt nichts daran, die Freude im Hause 3 oder auch anderer Mobilfunkprovider zu trüben. Schlussendlich schneidet 3 bei diesem konkreten Nutzerprofil auch im TarifAgent-Check ausgezeichnet ab. Woran wir uns jedoch stoßen, ist die grundsätzliche Annahme, dass es zulässig ist, von einem „typischen Normalverbraucher“ auf das Individuum zu schließen, da sie an der Realität vorbeizielt.
Um dies zu verdeutlichen, haben wir uns den Spaß gemacht, das – ach so typische – Userprofil der „connect“-Redaktion nur minimal abzuwandeln.

„Unser“ adaptierter Normalverbraucher versendet monatlich nicht 60, sondern 250 SMS. 


Was lernen wir daraus?

Nicht nur, dass das massenhafte Versenden von SMS ein teurer Spaß sein kann, denn im günstigsten Fall kommt dieser User auf eine monatliche Belastung von EUR 12,00. 

Vielmehr gibt es keinen „typischen Normalverbraucher“. Der Konsument wird durch derartige „Statistiken“ in der irrigen Annahme bestärkt, dass er oder sie, weil er sich als Wenigtelefonierer oder Normaltelefonierer sieht, mit diesem oder jenem Produkt am besten fährt. Dabei vergisst er oder sie, dass sein tatsächliches Nutzerverhalten ausschlaggebend ist, und zwar über einen Zeitraum von mehreren Monaten hinweg. Alles andere ist nicht mehr als ein statistischer Wert. Und wie heißt der Leitsatz eines jeden Statistikers so schön: Traue nie einer Statistik, außer du hast sie selber gefälscht! 


Wenn jemand also über Monate hinweg einen deutlich höheren oder geringeren Verbrauch an SMS hat, wirkt sich dies deutlich auf den Tarif der Wahl aus. Zum Beispiel kostet den „connect-Normalverbraucher“ mit seinen 60 SMS der „Call & Surf Easy“ von T-Mobile schlanke EUR 6,00, was ja wirklich ein tolles Angebot ist. Selbiger Tarif kommt bei 250 SMS pro Monat auf EUR 16,00. Bei 3 hingegen würde er um 4 Euro weniger bezahlen, pro Monat, versteht sich. Im Jahr also fast 50 Euro mehr für diese paar SMS mehr. 
Dieses Rechenbeispiel veranschaulicht, wie wir meinen, sehr gut, was ein „typischer Normalverbraucher“ tatsächlich wert ist. 

Vom österreichischen „Schmied“ und dem deutschen „Schmiedl"

Wir haben uns auch bei den fiktiven Usern „Herr/Frau Wenigtelefonierer, Vieltelefonierer und Datenuser“ die Mühe gemacht, die Ergebnisse aus deutschen Landen auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen und sind auch dort auf Fehler gestoßen. Zum Teil wurden Pakete miteinbezogen, zum Teil wieder nicht. Zum Teil wurden spezielle Jugendtarife, die von „connect“ in einer separaten Auswertung dargestellt wurden, auch bei den anderen Profilen miteinbezogen.

Zudem wird durch die Ausklammerung der Discounter sowie von Prepaid-Produkten sowieso der Markt verzerrt dargestellt.
Dazu kommt noch der Umstand, dass auch die Annahme einer gleichmäßigen Verteilung von Telefonie in die diversen Handynetze an der Realität vorbeigeht. Bei vielen Tarifen der Premiumanbieter ist beispielsweise nach dem Aufbrauchen der jeweiligen Freiminuten das Telefonieren ins eigene Netz (zum Teil begrenzt, zum Teil unbegrenzt) kostenfrei möglich. 

Dass ein Tarifvergleich aufgrund der Fülle an Informationen und äußerst zeitintensiver Recherchen nicht ganz einfach ist, ist verständlich. Man muss mit der „connect“-Redaktion ein Nachsehen haben, denn die hiesige Tariflandschaft zu verstehen, ist nicht so einfach. TarifAgent beschäftigt sich damit schon seit mehreren Jahren und unsere Kollegen aus Deutschland kennen den deutschen Markt wohl besser als den österreichischen.

So gesehen freuen wir uns natürlich, dass wir unsere Kernkompetenz unter Beweis stellen können und dass der Tarifcheck von TarifAgent nicht nur der ausführlichste und aktuellste Österreichs, sondern insgesamt aus deutschen Landen ist. Und der Mannschaft von „connect“ sei gesagt: Wenn der nächste Tarifvergleich der österreichischen Mobilfunklandschaft ansteht, kann sie gerne auf uns zurückkommen. ;-)

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